Döner als Symbol des Wandels
Der Journalist und Autor Eberhard Seidel beschreibt den Döner nicht nur als beliebtes Streetfood, sondern als Spiegel von Migration, wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Spannungen in Deutschland. Diese Einschätzungen teilte er im Gespräch mit dem Journalisten Mustafa Ekşi.
Der Döner hat die Esskultur in Deutschland nachhaltig geprägt. In einem Gespräch mit Mustafa Ekşi erläuterte der Journalist und Autor Eberhard Seidel, dass der Döner weit über seine kulinarische Bedeutung hinausgewachsen sei und heute als sichtbares Zeichen des gesellschaftlichen Wandels wahrgenommen werde.
Nach Einschätzung Seidels steht der Döner exemplarisch für die Geschichte der Migration in Deutschland. Was einst als einfaches Imbissangebot begann, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des urbanen Alltags. „Der Döner hat Deutschland verändert“, so Seidel. Er sei heute nicht mehr aus dem Straßenbild deutscher Städte wegzudenken.
Vom Imbiss zur Industrie
Seidel verwies darauf, dass die Erfolgsgeschichte des Döners in Berlin ihren Anfang nahm. Inzwischen hat sich daraus eine milliardenschwere Branche entwickelt. Der Jahresumsatz liegt bei rund sechs Milliarden Euro. Deutschlandweit sind etwa 350 größere Dönerproduzenten sowie zahlreiche kleinere Betriebe tätig. Der Döner sei damit nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein bedeutendes wirtschaftliches Phänomen.
Döner und Rassismus
Gleichzeitig, so Seidel, spiegele der Döner auch gesellschaftliche Konfliktlinien wider. Dönerimbisse seien wiederholt Ziel rechtsextremer Gewalt geworden. Die Mordserie des rechtsterroristischen Netzwerks NSU sei über Jahre hinweg in den Medien unter dem Begriff „Döner-Morde“ verharmlost worden. Zudem habe es bundesweit mehr als tausend Angriffe auf Dönerläden gegeben. Seidel kritisierte, dass die gesellschaftliche Reaktion auf diese Taten lange Zeit unzureichend ausgefallen sei.
Berlin oder Istanbul?
Auf die Frage von Mustafa Ekşi, wo der beste Döner zu finden sei, antwortete Seidel differenziert. In Berlin gebe es mittlerweile Dönerläden, die qualitativ mit vielen Lokalen in Istanbul konkurrieren könnten. Entscheidend sei jedoch, den richtigen Betrieb zu finden.
Abschließend betonte Seidel, dass der Döner längst Teil der deutschen Alltagskultur geworden sei. Was von Migranten aufgebaut wurde, sei heute ein selbstverständlicher Bestandteil der deutschen Identität – und damit ein kulinarisches Zeugnis gesellschaftlicher Veränderung.
videocut:Bedii Selvi