Türkische Wirtschaft richtet offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz

„Ein Europa ohne die Türkei bleibt strategisch unvollständig“

Türkische Wirtschaft richtet offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz
Der offene Brief der Vorsitzenden der Türkei-Europa-Wirtschaftsräte wurde in Deutschland als ganzseitige öffentliche Erklärung veröffentlicht. Darin wird die Türkei als strategischer Partner für Europas Sicherheit und wirtschaftliche Zukunft bezeichnet.
Türkische Wirtschaft richtet offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz

26 Vorsitzende der Türkei-Europa-Wirtschaftsräte des türkischen Außenwirtschaftsverbandes DEİK haben sich mit einem öffentlichen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gewandt. In der in Deutschland veröffentlichten Erklärung wird die strategische Bedeutung der Türkei für Europas Sicherheit, Wirtschaft und geopolitische Zukunft hervorgehoben. Gleichzeitig fordern die Unterzeichner einen Neustart der Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei.

Öffentlicher Appell an die deutsche Politik

Der unter dem Titel
„Offener Brief der türkischen Business Community an den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Friedrich Merz“
veröffentlichte Text trägt das Datum 8. Mai 2026 und wurde aus Istanbul veröffentlicht.

Unterzeichnet wurde der Brief von den Vorsitzenden der 26 Türkei-Europa-Wirtschaftsräte innerhalb des DEİK (Außenwirtschaftsrat der Türkei).

Die Erklärung richtet sich direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz und ist zugleich als öffentliche Botschaft an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland formuliert.

Bezug auf die Münchner Sicherheitskonferenz

Bereits zu Beginn des Schreibens gratulieren die Unterzeichner Friedrich Merz zur Übernahme seines neuen Amtes.

Besonders hervorgehoben werden dabei seine Aussagen auf der Münchner Sicherheitskonferenz, in denen Merz die geopolitische Bedeutung der Türkei für Europa betont hatte.

Die Vertreter der türkischen Wirtschaft erklären, Europa stehe angesichts globaler Krisen vor historischen Herausforderungen:

  • Sicherheitsfragen,
  • wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit,
  • Energieversorgung,
  • Digitalisierung,
  • geopolitische Instabilität
    müssten künftig gemeinsam und strategisch beantwortet werden.

„Die Türkei ist ein unverzichtbarer strategischer Partner Europas“

Im Mittelpunkt des offenen Briefes steht die Rolle der Türkei innerhalb der europäischen Sicherheits- und Wirtschaftsarchitektur.

Die Unterzeichner argumentieren, die Türkei sei aufgrund ihrer:

  • geopolitischen Lage,
  • industriellen Produktionskapazität,
  • jungen Bevölkerung,
  • NATO-Mitgliedschaft,
  • Energie- und Logistikinfrastruktur
    ein unverzichtbarer Partner Europas.

Zugleich wird betont, dass türkische Unternehmen seit Jahren aktiv zur europäischen Wirtschaft beitragen – durch Investitionen, Beschäftigung und industrielle Kooperationen.

Warnung vor globalem Wettbewerbsdruck

Der Brief verweist außerdem auf die zunehmende internationale Konkurrenz zwischen den globalen Machtzentren.

Insbesondere die Entwicklungen in den Bereichen:

  • künstliche Intelligenz,
  • digitale Transformation,
  • Hochtechnologie,
  • Energiepolitik,
  • Lieferketten
    würden Europa unter erheblichen Druck setzen.

Die Autoren argumentieren, Europa könne seine wirtschaftliche Stärke langfristig nur sichern, wenn strategische Partnerschaften mit Ländern wie der Türkei vertieft würden.

Wörtlich heißt es sinngemäß:
„Wohlstand, Sicherheit und globale Wettbewerbsfähigkeit Europas können nur durch gemeinsame strategische Zusammenarbeit nachhaltig gesichert werden.“

Forderung nach Wiederbelebung des EU-Beitrittsprozesses

Ein zentraler Punkt des Schreibens betrifft die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei.

Die Unterzeichner sprechen sich dafür aus,

  • den politischen Dialog wiederzubeleben,
  • die Zollunion zu modernisieren,
  • Visaerleichterungen voranzutreiben,
  • wirtschaftliche Kooperationen auszubauen,
  • sowie die europäische Perspektive der Türkei neu zu definieren.

Nach Ansicht der türkischen Wirtschaftsvertreter könne Europa auf Dauer keine stabile strategische Zukunft entwickeln, wenn die Türkei außen vor bleibe.

Appell an die Bundesregierung

Dem neuen Bundeskanzler Friedrich Merz wird im Brief eine besondere Rolle zugeschrieben.

Deutschland sei:

  • größte Volkswirtschaft Europas,
  • politischer Motor der Europäischen Union,
  • und zugleich wichtigster Handelspartner der Türkei innerhalb Europas.

Daher könne Berlin entscheidend dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Ankara und Brüssel auf eine neue strategische Grundlage zu stellen.

Der Brief signalisiert deutlich die Erwartung der türkischen Wirtschaft an eine pragmatischere und geopolitisch orientierte Türkei-Politik der neuen Bundesregierung.

Bedeutende Namen der türkischen Wirtschaft unter den Unterzeichnern

Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der türkischen Wirtschaft, darunter:

  • Nail Olpak — Präsident des DEİK
  • Mehmet Ali Yalçındağ — Koordinator der Türkei-Europa-Wirtschaftsräte
  • Adnan Polat
  • Ali Kibar
  • Fettah Tamince
  • Harika Güral
  • Ahmet Furuzan Kanatlı
  • Berna Gözbaş
  • Mustafa Baran Arıoğlu
  • Ceylan Aydın
  • Suat Gökhan Karakuş
  • Ömer Süsli
  • und weitere Vorsitzende der Türkei-Europa-Wirtschaftsräte.

Die Unterzeichner vertreten Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und zahlreichen europäischen Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Schweden, Belgien, Spanien, Italien, Finnland, Portugal, Rumänien, Luxemburg und die Niederlande.

Archivbericht

Türkei auf dem Weg, strategisches Zentrum der europäischen Industrie zu werden

Signal für eine neue Phase der Türkei-Europa-Beziehungen

Der offene Brief gilt in politischen und wirtschaftlichen Kreisen als bemerkenswertes Signal für eine mögliche Neuausrichtung der Beziehungen zwischen Europa und der Türkei.

Die Kernaussagen der Erklärung lauten:

  • Europa und die Türkei brauchen eine strategische Partnerschaft.
  • Sicherheit und Wirtschaftspolitik müssen gemeinsam gedacht werden.
  • Europas strategische Autonomie ist ohne die Türkei kaum realisierbar.
  • Die Beziehungen zwischen Ankara und Brüssel sollten neu strukturiert werden.
  • Deutschland kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Welche politische Linie die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz gegenüber der Türkei einschlagen wird, dürfte in den kommenden Monaten zu den wichtigen außenpolitischen Themen in Europa gehören.

Files