Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin

Der türkische Außenminister Hakan Fidan und der deutsche Außenminister Johann Wadephul haben bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin zentrale Themen der deutsch-türkischen Beziehungen, der europäischen Sicherheit, der NATO-Zusammenarbeit sowie der regionalen Krisenpolitik erörtert. Im Mittelpunkt stand die Wiederaufnahme des Strategischen Dialogmechanismus nach zwölf Jahren.

Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin
Der türkische Außenminister Hakan Fidan und der deutsche Außenminister Johann Wadephul bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Auswärtigen Amt in Berlin
Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin
Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin
Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin
Neue strategische Phase zwischen Deutschland und der Türkei: Hakan Fidan und Johann Wadephul senden deutliche Botschaften aus Berlin

Der türkische Außenminister Hakan Fidan und der deutsche Außenminister Johann Wadephul haben im Auswärtigen Amt in Berlin eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten.

Im Fokus der Gespräche standen die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei, Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur, die NATO, der Ukraine-Krieg, die Entwicklungen rund um den Iran sowie die Lage im Gazastreifen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Wiederbelebung des „Strategischen Dialogmechanismus“, der nach zwölf Jahren erstmals wieder zusammentrat.

„Wir wollen die Beziehungen auf ein neues Niveau heben“

Johann Wadephul erklärte, Deutschland wolle die Zusammenarbeit mit der Türkei auf eine neue strategische Ebene bringen.

Der deutsche Außenminister betonte, dass die erneute Aktivierung des Strategischen Dialogs ein bedeutender Schritt sei:

„Wir wollen eine neue Qualität unserer bilateralen Beziehungen erreichen.“

Im Rahmen des Dialogs hätten Arbeitsgruppen intensive Gespräche über Sicherheitspolitik, regionale Konflikte, die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei sowie wirtschaftliche Kooperationen geführt.

Hakan Fidan wiederum erklärte, dass die politischen Kontakte zwischen Ankara und Berlin zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen hätten.

„Die Wiederaufnahme des strategischen Dialogmechanismus zeigt, dass unsere Beziehungen erneut an Fahrt gewinnen“, sagte Fidan.

Er verwies dabei auf die politische Unterstützung durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz.

Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz

Hakan Fidan teilte mit, dass er im Rahmen seines Berlin-Besuchs auch von Bundeskanzler Friedrich Merz empfangen worden sei.

Dabei habe er die Grüße und Botschaften des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan übermittelt.

Wirtschaft und Energie im Mittelpunkt

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Fidan erklärte, Deutschland sei der wichtigste Handelspartner der Türkei in Europa und weltweit der zweitgrößte Partner.

Das bilaterale Handelsvolumen liege derzeit bei rund 52 Milliarden US-Dollar. Ziel sei es, dieses kurzfristig auf 60 Milliarden Dollar zu steigern.

Beide Seiten betonten zudem die Bedeutung gemeinsamer Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Energieversorgung und Infrastruktur.

Verteidigungsindustrie und NATO-Kooperation

Hakan Fidan hob hervor, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungsindustrie weiter vertieft werden müsse.

Er erklärte, dass die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas eine engere Kooperation notwendig machten.

Johann Wadephul kündigte seinerseits an, dass Deutschland die Türkei mit einer weiteren Patriot-Luftabwehrbatterie unterstützen werde.

„Unser Bündnis ist felsenfest“, sagte der deutsche Außenminister mit Blick auf die NATO-Zusammenarbeit.

EU-Beitritt und Zollunion

Hakan Fidan bekräftigte erneut das strategische Ziel der Türkei, Vollmitglied der Europäischen Union zu werden.

Er erklärte, dass die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei frei von politischen Blockaden geführt werden müssten.

„Eine europäische Sicherheits- und Wirtschaftsarchitektur ohne die Türkei bleibt unvollständig“, sagte Fidan.

Besonders die Modernisierung der Zollunion sowie Fortschritte beim Visa-Liberalisierungsprozess seien aus türkischer Sicht dringend notwendig.

Johann Wadephul bezeichnete das Festhalten der Türkei am EU-Beitrittsziel als „positives Signal“, betonte jedoch zugleich die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten im EU-Prozess.

Ukraine-Krieg und Vermittlungsrolle der Türkei

Beide Außenminister sprachen ausführlich über den Krieg zwischen Russland und der Ukraine.

Johann Wadephul würdigte die Vermittlungsbemühungen der Türkei, insbesondere die Gespräche in Istanbul sowie die Rolle Ankaras beim Getreideabkommen.

Hakan Fidan erklärte, die Türkei werde weiterhin alle diplomatischen Möglichkeiten nutzen, um den Krieg zu beenden.

„Kurzfristige Waffenruhen zeigen, dass ein diplomatischer Lösungsweg weiterhin möglich ist“, sagte Fidan.

Iran-Krise und Straße von Hormus

Ein weiterer Schwerpunkt war die Lage im Nahen Osten.

Johann Wadephul warnte vor den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen einer Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus.

Er bedankte sich bei der Türkei für ihre diplomatischen Vermittlungsbemühungen gemeinsam mit Pakistan und Ägypten.

Fidan erklärte, die wichtigste Priorität sei derzeit die Aufrechterhaltung eines Waffenstillstands.

„Eine erneute Eskalation hätte schwerwiegende globale wirtschaftliche und politische Folgen“, warnte der türkische Außenminister.

Kritik an Israels Vorgehen in Gaza

Hakan Fidan äußerte sich zudem scharf zur Lage im Gazastreifen.

Die Intervention Israels gegen eine internationale Hilfsflotte bezeichnete er als „klaren Verstoß gegen das Völkerrecht“ und als „Piraterie“.

Nach Angaben Fidans befanden sich Menschen aus rund 40 Ländern an Bord der Schiffe.

Die Türkei führe intensive diplomatische Gespräche zur Freilassung der betroffenen Personen.

Zudem kritisierte Fidan Israels Politik im Gazastreifen, im Westjordanland, in Syrien und im Libanon als destabilisierend für die gesamte Region.

Türkische Gemeinschaft in Deutschland hervorgehoben

Beide Außenminister würdigten die Rolle der türkischen Gemeinschaft in Deutschland.

Johann Wadephul erklärte, die deutsch-türkischen Beziehungen seien längst nicht mehr nur diplomatischer Natur, sondern tief gesellschaftlich verwurzelt.

Hakan Fidan dankte der türkischen Diaspora in Deutschland für ihren Beitrag zu den bilateralen Beziehungen.