Cem Özdemir auf dem Weg zum Ministerpräsidenten: „Wenn Erdoğan-Anhänger gegen mich sind, bin ich auf dem richtigen Weg“

Vor der Wahl im Bundesland Baden-Württemberg hat der Grünen-Politiker Cem Özdemir deutliche Worte zu den gegen ihn gerichteten Kampagnen gefunden. Der Politiker mit türkischen Wurzeln erklärte, Kritik aus dem Umfeld von Erdoğan-Unterstützern sehe er als Bestätigung seines politischen Weges.

Cem Özdemir auf dem Weg zum Ministerpräsidenten: „Wenn Erdoğan-Anhänger gegen mich sind, bin ich auf dem richtigen Weg“
Der Grünen-Politiker Cem Özdemir tritt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten an.Arşiv Foto: Mustafa Ekşi

Im wirtschaftsstarken Bundesland Baden-Württemberg wird an diesem Sonntag gewählt. Um das Amt des Ministerpräsidenten zeichnet sich laut aktuellen Umfragen ein enges Rennen zwischen zwei Kandidaten ab: dem CDU-Politiker Manuel Hagel und dem Grünen-Politiker Cem Özdemir.

Sollte Özdemir die Wahl gewinnen, könnte erstmals ein Politiker mit türkischen Wurzeln Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes werden.

In einem Interview erklärte Özdemir, seine Herkunft sei im politischen Alltag immer wieder zum Thema gemacht worden. „Ich bin nicht über Migrationspolitik in die Politik gegangen. Mein Schwerpunkt lag immer auf Umwelt- und Agrarpolitik. Dennoch wurde meine Herkunft häufig zum politischen Thema“, sagte er. Diese Debatten hätten ihn jedoch nicht entmutigt, sondern eher motiviert, politisch noch entschlossener zu arbeiten.

Unterstützung aus verschiedenen Gemeinschaften

Özdemir betonte zugleich, dass er in Baden-Württemberg Unterstützung aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen erfahre. Besonders bewegt habe ihn, dass Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde ihn und seine Familie in ihre Gebete aufgenommen hätten.

Auch Begegnungen mit jungen Menschen aus der kosovarischen Community sowie Einladungen aus der griechischen Gemeinde zeigten ihm, wie vielfältig die Gesellschaft im Südwesten Deutschlands sei. Der Austausch mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen sei für ihn eine große Ehre.

„Wenn Erdoğan-Anhänger gegen mich sind, mache ich offenbar einiges richtig“

Mit Blick auf Kritik aus Teilen der türkischen Community erklärte Özdemir:

„Einige ultranationalistische oder streng religiöse Kreise führen Kampagnen gegen mich. Das beunruhigt mich nicht. Im Gegenteil: Wenn Trump-, Putin- oder Erdoğan-Anhänger gegen mich sind, dann bedeutet das wohl, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Gleichzeitig betonte der Grünen-Politiker, dass sich in Deutschland alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft sicher fühlen müssten. „Ob Aleviten, Kurden oder Angehörige religiöser Minderheiten – sie alle stehen unter dem Schutz unseres Rechtsstaates“, sagte er.

Wirtschaftliche Beziehungen zur Türkei

Auf die Frage nach möglichen Auswirkungen eines Wahlsiegs auf die Beziehungen zur Türkei verwies Özdemir darauf, dass Außenpolitik überwiegend Sache der Bundesregierung sei. Zugleich hob er hervor, dass Baden-Württemberg wirtschaftlich eng mit der Türkei verbunden sei.

Viele Unternehmen aus dem Bundesland seien in der Türkei aktiv. Zudem gehörten Menschen mit türkischen Wurzeln längst selbstverständlich zur Gesellschaft Baden-Württembergs.

Reisepläne nach der Wahl

Özdemir erklärte außerdem, dass er seit längerer Zeit nicht mehr in der Türkei gewesen sei. Nach der Wahl wolle er jedoch gemeinsam mit seinen Kindern dorthin reisen, um Freunde und Verwandte zu besuchen.

Klare Absage an Zusammenarbeit mit AfD

Eine mögliche Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland schloss Özdemir kategorisch aus. Die Partei stelle nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich eine Gefahr dar.

Eine Kooperation mit der extremen Rechten schwäche die liberale Demokratie und stärke antidemokratische Kräfte, sagte Özdemir.