Sırrakaya in Solingen: „Wir werden nicht zulassen, dass Islamfeindlichkeit und Rassismus zur Normalität werden“

Beim Gedenken an den Brandanschlag von Solingen hat der stellvertretende Vorsitzende der AK-Partei und Vorsitzende für Auswärtige Beziehungen, Zafer Sırakaya, eindringlich vor der Gefahr von Rassismus, Islamfeindlichkeit und gesellschaftlicher Spaltung gewarnt. In seiner auf Deutsch gehaltenen Rede erinnerte er an die Opfer des Anschlags von 1993 und würdigte die versöhnende Haltung von Mevlüde Genç.

Solingen. Persönliche Erinnerungen an Solingen

Zu Beginn seiner Ansprache betonte Sırrakaya, dass er bewusst nicht als Politiker, sondern als Mensch spreche, der in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen sei. Als der Brandanschlag von Solingen 1993 verübt wurde, sei er 19 Jahre alt gewesen.

Er erinnerte daran, wie die Nachricht vom Tod von Gülsen İnce, Hatice Genç, Gülizar Bülüşük, Hülya Genç und Saime Genç die türkische Gemeinschaft in Deutschland erschütterte. Das Verbrechen habe sich tief in das kollektive Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt.

„Für viele von uns war es der Moment, in dem wir verstanden haben, dass es Menschen gibt, die uns trotz unseres Lebens in diesem Land nicht als Teil der Gesellschaft akzeptieren wollten“, sagte Sırrakaya.

Würdigung von Mevlüde Genç

Einen zentralen Teil seiner Rede widmete Sırrakaya der verstorbenen Mevlüde Genç. Trotz des Verlusts mehrerer Familienmitglieder habe sie niemals Hass oder Rache propagiert, sondern stets für Versöhnung und friedliches Zusammenleben geworben.

Sırrakaya bezeichnete sie als moralische Instanz Deutschlands und als Symbol für Menschlichkeit, Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

„Sie hat gezeigt, dass man aus den Trümmern des Hasses Brücken des Friedens bauen kann“, sagte er.

Sorge über zunehmende Islamfeindlichkeit

Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen äußerte Sırrakaya Besorgnis über die zunehmende Zahl islamfeindlicher, rassistischer und antisemitischer Straftaten in Deutschland.

Er verwies darauf, dass Menschen noch immer aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihres äußeren Erscheinungsbildes beleidigt, bedroht oder angegriffen würden. Gleichzeitig verurteilte er antisemitische Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Gemeinden.

„Wir dürfen weder Angriffe auf Moscheen noch Angriffe auf Synagogen akzeptieren. Wer Gotteshäuser angreift, greift unsere gemeinsamen Werte und die Religionsfreiheit an“, betonte er.

Klare Haltung gegen Hass und Ausgrenzung

Der AK-Partei-Politiker machte deutlich, dass Rassismus und Menschenfeindlichkeit niemals gesellschaftlich akzeptiert werden dürften.

„Als Präsidium für Auswärtige Beziehungen der AK-Partei ist unsere Haltung eindeutig: Wir werden nicht zulassen, dass Islamfeindlichkeit, Rassismus und Politik des Hasses zur Normalität werden“, erklärte Sırrakaya.

Er rief Politik, Zivilgesellschaft und Bürgerinnen und Bürger dazu auf, gemeinsam gegen jede Form von Diskriminierung einzutreten und die Werte eines respektvollen Zusammenlebens zu verteidigen.

Solingen als Symbol der Menschlichkeit

Zum Abschluss seiner Rede bezeichnete Sırrakaya Solingen heute nicht nur als Ort eines schmerzhaften Verbrechens, sondern auch als Symbol für Menschlichkeit, Versöhnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Botschaft von Mevlüde Genç sei aktueller denn je: Nicht Hass, sondern Liebe. Nicht Vergeltung, sondern Versöhnung. Nicht Ausgrenzung, sondern Zusammenhalt.

Abschließend dankte er den Organisatoren der Gedenkveranstaltung sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich für Erinnerung, Dialog und ein friedliches Miteinander einsetzen.

Quelle: Rede von Zafer Sırrakaya beim Gedenken an den Solinger Brandanschlag 2026 (Videomitschnitt).