65 Jahre Anwerbeabkommen: Karaahmetoğlu fordert Anerkennung, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe

SPD-Bundestagsabgeordneter Macit Karaahmetoğlu erinnert an die Lebensleistung der ersten Generation türkischer Arbeitsmigranten und fordert, ihre Kinder und Enkel als selbstverständlichen Teil Deutschlands anzuerkennen.

65 Jahre Anwerbeabkommen: Karaahmetoğlu fordert Anerkennung, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe
SPD-Bundestagsabgeordneter Macit Karaahmetoğlu würdigt zum 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die Leistungen der ersten Einwanderergeneration und fordert gleiche Chancen und gesellschaftliche Anerkennung. Foto: Macit Karaahmetoğlu / Presse

Am 30. Oktober 2026 jährt sich die Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens zum 65. Mal. Was 1961 als wirtschaftspolitische Vereinbarung zur Gewinnung von Arbeitskräften begann, entwickelte sich zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, der Deutschland bis heute prägt.

Anlässlich des Jahrestages würdigt der SPD-Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoğlu die Leistungen der ersten Generation türkischer Arbeitsmigranten. Zugleich fordert er, die Debatte über Migration nicht auf historische Verdienste zu beschränken, sondern Fragen der Gleichberechtigung, gesellschaftlichen Anerkennung und politischen Teilhabe stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

„Sie waren keine Gäste, sondern Menschen, die dieses Land mit aufgebaut haben“

Über Jahrzehnte wurden die aus der Türkei angeworbenen Arbeitskräfte als „Gastarbeiter“ bezeichnet. Für Karaahmetoğlu wird dieser Begriff ihrer tatsächlichen Bedeutung für Deutschland nicht gerecht.

Die Menschen, die damals nach Deutschland kamen, arbeiteten in Fabriken, beteiligten sich am Ausbau der Infrastruktur und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei.

Aus ursprünglich zeitlich begrenzten Arbeitsaufenthalten entstanden dauerhafte Lebensperspektiven. Familien wurden gegründet, Kinder wuchsen in Deutschland auf und nachfolgende Generationen übernahmen Verantwortung in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen.

Heute arbeiten ihre Nachkommen als Ärztinnen und Ärzte, Lehrkräfte, Wissenschaftler, Unternehmer und Kulturschaffende. Sie engagieren sich in der Kommunalpolitik, in Landesparlamenten und im Deutschen Bundestag.

Für Karaahmetoğlu steht deshalb fest: Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte sind kein vorübergehender Bestandteil der deutschen Gesellschaft, sondern gehören seit Generationen zu ihr.

Vom Kind einer Arbeiterfamilie zum Bundestagsabgeordneten

Die Geschichte der deutsch-türkischen Arbeitsmigration ist für Karaahmetoğlu auch Teil seiner eigenen Biografie.

Geboren im nordtürkischen Rize, wuchs er zunächst getrennt von seinen Eltern auf, die nach Deutschland gegangen waren, um ihrer Familie bessere Zukunftsperspektiven zu ermöglichen.

1979 kam er im Alter von elf Jahren nach Deutschland und besuchte in Hemmingen die Schule. Er musste eine neue Sprache lernen und sich in einem unbekannten Bildungssystem zurechtfinden.

Nach dem Schulabschluss studierte er Rechtswissenschaften, wurde Rechtsanwalt und zog schließlich in den Deutschen Bundestag ein.

Seinen persönlichen Werdegang versteht Karaahmetoğlu jedoch nicht als isolierte Erfolgsgeschichte. Vielmehr sieht er darin das Ergebnis der Entbehrungen und Opferbereitschaft seiner Eltern und einer gesamten Einwanderergeneration.

Seine politische Laufbahn sei ohne die Lebensleistung seiner Eltern nicht denkbar, betont der SPD-Politiker.

Anerkennung allein reicht nicht: Gleichberechtigung muss im Alltag ankommen

Neben dem historischen Rückblick richtet Karaahmetoğlu den Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart.

Nach seiner Auffassung genügt es nicht, die Leistungen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte an Jubiläen öffentlich zu würdigen, solange Herkunft und Namen im Alltag weiterhin Anlass für Benachteiligung sein können.

Er kritisiert, dass Menschen auch nach mehreren Generationen ihre Zugehörigkeit zu Deutschland immer wieder rechtfertigen müssten.

Entscheidend sei deshalb nicht allein die symbolische Anerkennung der ersten Generation, sondern die tatsächliche Gleichstellung ihrer Kinder und Enkel.

Dazu gehören gleiche Bildungschancen, faire berufliche Perspektiven, Schutz vor Diskriminierung sowie die selbstverständliche Beteiligung am gesellschaftlichen und politischen Leben.

Die Zugehörigkeit zu Deutschland dürfe nicht in jeder Generation erneut zur Bewährungsprobe werden.

65 Jahre Migration – und die Frage nach Deutschlands Zukunft

Der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens ist damit mehr als ein historisches Gedenken.

Er wirft zugleich die Frage auf, wie Deutschland mit seiner eigenen Einwanderungsgeschichte umgeht und welchen Stellenwert gesellschaftliche Vielfalt im politischen Selbstverständnis des Landes einnimmt.

Karaahmetoğlus Botschaft ist eindeutig: Die Lebensleistung der ersten Generation verdient Respekt. Dieser Respekt müsse sich jedoch in einer Gesellschaft widerspiegeln, in der ihre Nachkommen als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger anerkannt werden.

Die deutsch-türkische Migrationsgeschichte sei nicht nur eine Geschichte der Vergangenheit, sondern auch eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Deutschlands.

Die zentrale Botschaft des SPD-Abgeordneten lautet: Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte haben Deutschlands Vergangenheit mitgestaltet, prägen seine Gegenwart und müssen auch über seine Zukunft gleichberechtigt mitentscheiden können.